Wie wir Schülerinnen für Daten und KI begeistern
![[at]@school und Girls’ Day bei [at] [at]@school und Girls’ Day bei [at], hero image, Alexander Thamm [at]](/fileadmin/_processed_/7/e/csm__at__at_school_header-de_7f02fbc363.jpg)
Der Bedarf an Expert:innen im Bereich Data Science und KI wächst kontinuierlich. Laut einer McKinsey Analyse fehlen allein in Deutschland bis 2027 rund 780.000 Fachkräfte im Technologiebereich. Trotzdem sind Frauen in technischen Berufen weiterhin stark unterrepräsentiert, wie jüngste Auswertungen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Nur 18% der Beschäftigten in der Informatik sind weiblich, und europaweit liegt der Frauenanteil in Tech-Jobs bei lediglich 22%.
Technische Berufe bieten enorme Chancen, dennoch entscheiden sich nach wie vor deutlich weniger Frauen als Männer für eine Karriere in der IT-Branche. Je höher man die Karriereleiter heraufschaut, desto geringer wird der Anteil von Frauen.
Um dem entgegenzuwirken und junge Mädchen frühzeitig für eine Karriere in der IT zu sensibilisieren, haben wir bei Alexander Thamm [at] bereits im Jahr 2021 die unternehmensinterne Initiative [at]@school ins Leben gerufen. Seitdem organisieren wir regelmäßig Workshops mit Partnerschulen und öffneten schon mehrmals unsere Office Türen für den jährlichen Girls’ Day; dieses Jahr sogar zeitgleich an unseren beiden Standorten Berlin und Frankfurt am Main.
Unser Ziel mit [at]@school und dem Girls’ Day ist klar: Wir möchten Mädchen bereits im jungen Alter spielerisch zeigen, wie spannend und vielfältig die Welt der Daten und KI ist.

Die Idee zu [at]@school entstand im Rahmen einer unternehmensweiten „Women Work Session“im Jahr 2021, zu der alle Kolleginnen eingeladen waren. Gemeinsam tauschten wir uns über Themen aus wie „weiblich konnotierte Eigenschaften“ den Frauenanteil in Führungspositionen und insbesondere die geringe Repräsentanz von Frauen in der Tech-Branche.
Ein zentraler Punkt kristallisierte sich dabei schnell heraus: Wenn wir den Anteil von Frauen in der IT nachhaltig erhöhen wollen, müssen wir früh ansetzen, am besten in der Schule. Aus dieser Überzeugung heraus wollten wir nicht nur besprechen, sondern aktiv werden. So wurde [at]@school geboren. Zuerst fanden wir eine Partnerschule in München, später weiteten wir das Workshopangebot auch auf den Girls’ Day aus.

Der Girls’ Day sowie der asynchron dazu laufende [at]@School Workshops beginnt bei uns jeweils mit einem Kennenlernspiel. Dies dient vor allem dazu, eine vertrauensvolle und offene Lernatmosphäre zu schaffen. Nach diesem oft aufregenden Einstieg geben wir zunächst einen kurzen Impuls zu unserer eigenen Arbeit als Data Consultants. Wir erklären, was Datenproduktberatung bedeutet und wie wir Unternehmen bei datengetriebenen Entscheidungen begleiten.
Direkt im Anschluss folgt das erste Highlight des Tages: ein inspirierender Impulsvortrag einer Frau aus der Tech-Branche. Beim Girls’ Day 2026 durften wir in Berlin Dr. Layla Riemann, Team Leiterin am Institue of Applied Medical Informatics des Universitäts Krankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) per Live-Schalte begrüßen. Mit großer Begeisterung zeigte sie den Schülerinnen, was KI, Algorithmen und Daten im medizinischen Kontext leisten können. Besonders im Fokus standen dabei die KI-gestützte Auswertung von MRT-Scans zur Unterstützung von Diagnosen und der Einsatz von Large Language Models, um medizinischen Fachjargon in leicht verständliche Sprache für Patient:innen zu übersetzen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Technologie ganz konkret Menschen helfen kann.
In Frankfurt/Main wurde der Girls’ Day durch Badia Ghamel, IT Project Managerin bei Union Investment, bereichert. Sie berichtete offen von ihrem persönlichen Werdegang, davon, erst in jungen Jahren nach Deutschland gekommen zu sein und früh ihre Stärke für Zahlen entdeckt zu haben. Dieses Selbstvertrauen führte sie über das Abitur zum Studium der Wirtschaftsinformatik und schließlich zum Masterabschluss. Ihre Geschichte zeigte eindrucksvoll, dass für technische Karrierewege Neugier und Durchhaltevermögen oft wichtiger sind als ein perfekter Startpunkt.
Im nächsten Schritt tauchen wir tiefer in die Welt der Daten ein. Was sind Daten eigentlich? Wo entstehen sie und wie viele davon produzieren wir oft ganz unbewusst im Alltag? Damit wird schnell klar, dass Daten kein abstraktes IT-Thema sind, sondern ein ständiger Begleiter im Leben der Schülerinnen. Aufbauend darauf widmen wir uns dann einem Thema, das in der Praxis oft unterschätzt wird, aber entscheidend für jede datengetriebene Anwendung ist: Die Datenqualität. Anhand anschaulicher Beispiele, wofür wir gerne eine Bäckerei mit unvollständigen oder fehlerhaften Verkaufslisten heranziehen, erklärten wir, warum die Aufbereitung von Daten so zeitaufwendig, aber gleichzeitig so wichtig ist. Das Erlernte können die Schülerinnen anschließend direkt in unserem eigens entwickelten AI Adventure anwenden.
In einem interaktiven online Spiel, das im Stile eines Story-basierten Escape Games angelegt ist, bereiteten die Mädchen Daten selbst auf und erlebten unmittelbar, wie strukturierte Daten der Schlüssel zu einem Rätsel sind. In dem Spiel „Die Geheime Gesellschaft“ tauchen sie in eine fiktive Detektivgeschichte ein, um der Heldin Anna Lytics durch cleveres Filtern und Sortieren von Daten dabei zu helfen, den verschollenen Kollegen Markus aufzufinden. In Zweiergruppen trainieren die Teilnehmerinnen hierbei am Computer sowohl Datenkompetenz als auch Teamwork und Neugier.
Darauf aufbauend führen wir die Teilnehmerinnen in die Grundlagen des Machine Learnings ein. Hierbei geht es uns nicht darum, Code zu schreiben oder komplexe Algorithmen zu verstehen, sondern vielmehr ein grundlegendes Verständnis zu schaffen, welche Konzepte und mathematischen Ideen im maschinellen Lernen genutzt werden. Wir klären darüber auf, was es bedeutet, wenn ein Computer „lernt“, indem wir das Prinzip des Supervised Learnings anhand von Bildklassifikation von Katzen und Hunden anschaulich herunterbrechen. Auch dieses Modul ist hochgradig interaktiv und wird von dem zweiten Teil der online Escape-Game Geschichte von Anna Lytics begleitet.

Besonders groß ist das Interesse am darauffolgenden Exkurs zu Large Language Models. Angesichts der omnipräsenten Bekanntheit von ChatGPT & Co. ist es uns wichtig, jugendgerecht und verständlich zu erklären, wie solche Modelle zu ihren Ergebnissen kommen und deutlich zu machen, dass sie im Kern auf ausgefeilter statistischer Wahrscheinlichkeitsrechnung beruhen. Unser Ziel ist es hierbei, fundiertes Wissen zu vermitteln, das den Schülerinnen hilft, KI‑Antworten kritisch einzuordnen, statt sie ungeprüft zu übernehmen. Gleichzeitig legen wir Wert darauf, keine Ängste im Umgang mit der Technologie zu schüren. Daher liefern wir gleichzeitig praktische Tipps zum Prompt Engineering, mit denen die Qualität der Ergebnisse verbessert wird. Dieses Wissen wird anschließend im dritten und letzten Teil unserer gamifizierten Übung angewendet, indem die Teilnehmerinnen durch kontinuierliches Verbessern ihrer Prompts einem vortrainierten Sprachmodell ihre Geheimnisse entlocken müssen.

Den Abschluss bildet ein kurzer theoretischer sowie ein tieferer praxisnaher Einstieg in die Datenvisualisierung mit einer spielerischen, süßen Anleihe aus dem Alltag. In kleinen Gruppen arbeiten die Schülerinnen mit selbst erhobenen Skittles oder Smarties-Daten und durchlaufen dabei einen vollständigen Visualisierungsprozess: von der theoretischen Vorstellung verschiedener Visualisierungsmöglichkeiten, bis zur strukturierten Erfassung der Informationen über erste Skizzen möglicher Darstellungen bis hin zur Umsetzung einfacher Diagramme in einem professionellen BI‑Tool. Im Mittelpunkt steht dabei das Lernziel, zu verstehen, wie Daten sinnvoll aufbereitet werden müssen, um Inhalte klar, verständlich und zielgerichtet zu kommunizieren. So wird erlebbar, warum Visualisierungen oft aussagekräftiger sind als reine Tabellen und wie Dashboards dabei helfen komplexe Datengeschichten zu erzählen.

Ganz unabhängig von der späteren Berufswahl gewinnen die Schülerinnen am Ende des Tages zentrale Kompetenzen zum Umgang und Wissen über Daten und Künstliche Intelligenz, trainieren ihre Fähigkeit, digitale Informationen kritisch zu hinterfragen, logisch zu denken und komplexe Inhalte verständlich darzustellen. Wir wollen zeigen, dass technologische Themen nichts Abstraktes oder Unnahbares sind, sondern ganz konkret ihren Alltag und ihre Zukunft begleiten. KI soll als ein hilfreiches Werkzeug erlebt werden, welches unterstützen, erleichtern und neue Möglichkeiten eröffnen kann, zugleich aber nur dann sinnvoll eingesetzt wird, wenn es vom eigenen prüfenden Denken begleitet wird. Damit stärken wir diejenigen Fähigkeiten, die sowohl in der Schule als auch im alltäglichen Leben Orientierung geben, ob beim Interpretieren von Statistiken, beim Nutzen digitaler Tools und Social Media oder beim Einordnen von KI‑basierten Ergebnissen. Nicht zuletzt entsteht das Gefühl, selbst ein aktiver und gestaltender Teil dieser technologischen Welt sein zu können, und das ganz selbstverständlich auch als Frauen.
Unser didaktisches Konzept greift etablierte Lernansätze aus Aktivierung, Anwendung und Reflexion auf und ergänzt sie mit modernen, technologiegesteuerten Lernformaten wie Gamification und digitale Wissenschecks. Das macht Lernen spielerisch, zugänglich und nah an der Lebenswelt der Schülerinnen. Und dieser Ansatz zahlt sich aus: Viele Mädchen melden sich nach einem Workshop oder Girls‘ Day für ein Praktikum oder andere Möglichkeiten, tiefer in die Welt der KI und die Arbeit bei der Alexander Thamm [at] einzusteigen.
Wir sind der Überzeugung, dass nachhaltiges Lernen vor allem dann entsteht, wenn neues Wissen sinnvoll an vorhandene Erfahrungen anknüpft und unmittelbar angewendet werden kann. Statt langer Frontalphasen setzen wir auf kurze inhaltliche Impulse mit einem starken inhaltlichen „Hook“, der die Schülerinnen in ihrer eigenen Lebenswelt abholt, z.B. bei alltäglichen Technologien wie Smartphones und -watches und selbstverständlich TikTok & Co. Ziel ist es, Neugier und intrinsische Motivation zu wecken, bevor neue Konzepte eingeführt werden. Methodisch orientieren wir uns dabei an aktivierenden Lernansätzen, die Lernen als aktiven, selbst gesteuerten Prozess verstehen.
Im ersten Schritt geben wir bewusst kurze, klar fokussierte Inputs, die zentrale Begriffe und Zusammenhänge einführen, ohne sie vollständig vorwegzunehmen. Zwischendurch aktivieren wir vorhandenes Wissen durch offene Fragen in die Runde oder kurze Diskussionsimpulse, um dabei den gemeinsamen Wissensstand zu erheben. Meist wird schnell deutlich, dass den Schülerinnen viele grundlegende Konzepte, etwa Tabellen, Diagramme oder einfache Klassifizierungen, bereits vertraut sind. Dieses bewusste Sichtbarmachen von Vorwissen stärkt das Selbstvertrauen und senkt Hemmschwellen gegenüber vermeintlich „komplexen“ Themen. Gleichzeitig hilft es uns, als Trainer:innen eine gemeinsame Sprache zur Verständigung zu finden.
Darauf folgen Quick Rounds, worunter wir kurze, interaktive Quiz‑Sequenzen verstehen, in denen die Schülerinnen kurze Multiple‑ oder Single‑Choice‑Fragen unter Zeitdruck interaktiv am Handy oder PC beantworten sollen. Diese Phase dient nicht der Bewertung, sondern dem unmittelbaren Wissensabruf und der spielerischen Selbstüberprüfung. Fehler werden hier explizit als Lerngelegenheiten verstanden. Gleichzeitig hilft uns dieses Format, ein Gespür dafür zu bekommen, wo Verständnis bereits gefestigt ist und wo noch Klärungsbedarf besteht.
Im nächsten Schritt wenden die Schülerinnen das Gelernte eigenständig an. In Kleingruppen bearbeiten sie praxisnahe Aufgabenstellungen, die bewusst so gestaltet sind, dass sie nur im Austausch miteinander lösbar sind. Peer‑Learning spielt hier eine zentrale Rolle: Die Schülerinnen erklären sich gegenseitig Zusammenhänge, vergleichen Lösungsansätze und entwickeln gemeinsam Strategien. Diese kooperative Arbeitsweise fördert nicht nur fachliches Verständnis, sondern auch soziale Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit und Problemlösungsfähigkeit. Gleichzeitig wird auch hier der Lernerfolg durch aktiven Einsatz von Gamification verstärkt und eine konstante Motivation sichergestellt. Das ist besonders wichtig, da die Themenschwerpunkte Daten und Algorithmen für viele Menschen eher abstrakte Konzepte darstellen und die Aufmerksamkeitsspanne bei diesen Themen oft am kürzesten ist. Dazu mehr im Folgenden.
Abschließend werden die Ergebnisse in der großen Runde zusammengeführt. Die Gruppen erläutern ihren Lösungsweg und reflektieren, wie sie auf die Lösung gekommen sind und tauschen sich dazu aus, welche Teile ihnen schwergefallen sind und warum. Der Fokus liegt dabei auf dem Verbalisieren der Gedankenkette, also „dem Weg dorthin“. Durch dieses bewusste Präsentieren wird das Gelernte gefestigt, in einen größeren Zusammenhang eingeordnet und für alle nachvollziehbar gemacht.
Über die fachlichen Inhalte hinaus vermittelt dieses Vorgehen zusätzliche Lernerfahrungen: Die Schülerinnen erleben, dass sie bereits über relevantes Vorwissen verfügen, lernen, komplexe Sachverhalte zu strukturieren und entwickeln Vertrauen in ihre Fähigkeit, neue Themen eigenständig zu erschließen. Gleichzeitig wird ein positives Lernklima geschaffen, in dem Fragen stellen, Ausprobieren und bei Herausforderungen, dass eigenständige Eingreifen und Eigeninitiative dazugehören.
Zusammengefasst folgt unser didaktisches Konzept einem klaren, zyklischen Lernprozess aus gezieltem Input, aktivem Wissensabruf, eigenständiger Anwendung und gemeinsamer Reflexion mit dem Ziel, Inhalte nicht nur verständlich, sondern erlebbar, wirksam und nachhaltig zu machen.
Ein zentrales Element unseres didaktischen Konzepts ist der gezielte Einsatz von Gamification und moderner Technologie, um Lernprozesse aktivierend und themennah zu gestalten. Hierfür haben unsere Kolleg:innen bei [at] gezielt ein jugendgerechtes, dennoch anspruchsvolles PC-Spiel entwickelt, das in 3 Akten die Protagonistin Anna Lytics begleitet. Es begleitet die Spieler Schritt für Schritt bei realen Datenaufgaben, um zentrale Konzepte wie Datenaufbereitung, Machine Learning und den reflektierten Einsatz von Sprachmodellen praktisch anzuwenden. Wir nennen es unser AI Adventure.
Das PC gestützte Erlernen unserer Inhalte verbindet die didaktischen Prinzipien mit den Anforderungen einer modernen, digitalen Welt. Methodisch ermöglicht es, abstrakte Konzepte unmittelbar erfahrbar zu machen und Lernen als aktiven Prozess zu gestalten, bei dem Ausprobieren, Entscheiden und Reflektieren im Vordergrund stehen. Gleichzeitig entspricht die Arbeit am Computer der technologischen Realität in fast allen bürobezogenen Berufen. Durch diese Kombination entsteht ein Lernsetting, das sowohl kognitiv aktiviert („Das ist ja wie ein Exit Game“, Ich spiele auch Fortnite“) als auch auf reale Anwendungssituationen vorbereitet (Informationen googlen, Dateien herunterladen, Text über eine echte Tastatur eingeben).
Für unsere sogenannten Quick Rounds nutzen wir digitale Tools wie Mentimeter, über welches die Schülerinnen mithilfe ihres Smartphones oder alternativ über den Laptop an den vorher erwähnten Wissensabfragen teilnehmen. Die Schülerinnen können ihre Ergebnisse in Echtzeit einsehen. Dieses Setting erinnert an eine Gameshow. Diese Form der Rückmeldung fördert Beteiligung und gibt den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, ihren eigenen Wissensstand einzuordnen. Gleichzeitig lernen sie, ihre Smartphone-Anwendungen nicht nur zur Unterhaltung oder für soziale Medien zu nutzen, sondern als produktives Arbeitsinstrument einzusetzen.
Für die vertiefenden Praxisphasen, insbesondere die Arbeit im AI Adventure, stellt die [at] moderne Laptops zur Verfügung. So stellen wir sicher, dass alle Schülerinnen unabhängig von ihren familiären, finanziellen oder sozialen Hintergründen gleichermaßen teilnehmen können. Gearbeitet wird dabei stets zu zweit an einem Gerät, um Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und den Austausch unterschiedlicher Lösungsstrategien zu fördern. Zugleich ist die Arbeit am Computer selbst ein zentrales Lernziel: Auch wenn viele Jugendliche sehr sicher im Umgang mit Smartphones sind, bleibt der souveräne Umgang mit klassischen Computersystemen eine grundlegende Schlüsselkompetenz für Schule und Beruf. Das Navigieren im Browser, Arbeiten mit Dateien und Ordnerstrukturen, gezieltes Recherchieren sowie das Tippen am Rechner werden im AI Adventure ganz selbstverständlich angewendet und gefestigt.
In der Kombination aus Medienkompetenz, Gamification, Echtzeit‑Feedback, moderner Hardware und kooperativen Arbeitsformen entsteht so eine Lernumgebung, die Technik nicht um ihrer selbst willen einsetzt, sondern gezielt als Medium für Teilhabe, Chancengleichheit und nachhaltiges Lernen nutzt und damit die Schülerinnen befähigt, digitale Werkzeuge selbstbewusst, reflektiert und sinnstiftend einzusetzen.
Aus unseren Workshops, dem [at]@school‑Format und insbesondere dem Girls’ Day, haben wir über die Jahre wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Sie zeigen deutlich, dass erfolgreiche Vermittlung altersgerechter und komplexer Zukunftsthemen wie Daten und KI weniger von der inhaltlichen Tiefe als von der Art der Aufbereitung, der Atmosphäre und der aktiven Einbindung der Teilnehmerinnen abhängt. Die folgenden Lessons Learned prägen inzwischen maßgeblich den Aufbau und die Gestaltung unserer Formate.
Ein zentrales Learning ist die bewusste Begrenzung von Input‑Phasen. Neue oder abstrakte Inhalte werden bei uns in kurzen, klar fokussierten Impulsen vermittelt, die 15 bis max. 20 Minuten dauern. Direkt im Anschluss folgt eine Übung, Diskussion oder Anwendung. Diese Struktur hilft, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, Überforderung zu vermeiden und komplexe Themen zugänglich zu machen. Unterstützt wird dies durch einfache Sprache und zahlreiche Beispiele aus der Lebenswelt der Jugendlichen, etwa aus Social Media, Streaming‑Plattformen oder alltäglicher Techniknutzung sowie illustrierende Folien und Handouts.

Der Großteil des Tages ist bewusst dem aktiven Tun gewidmet. Ob in Gamification‑Formaten, bei praktischen Übungen am PC oder beim gemeinsamen Lösen von Aufgaben: Das selbstständige Erarbeiten steht klar im Vordergrund. Wir verzichten auf Schritt‑für‑Schritt‑Anleitungen und setzen stattdessen auf Aufgaben mit Lösungswegen, bei denen man um die Ecke denken muss, und die zum Ausprobieren ermutigen. PCs mit Internetzugang ermöglichen es, selbstständig zu recherchieren, Hypothesen zu testen und Lösungen zu entwickeln. Unsere Rolle als Trainer:innen verstehen wir dabei unterstützend, nicht vorgreifend: Wir geben Impulse, stellen Rückfragen und helfen beim Weiterdenken, ohne Lösungen vorwegzunehmen.
In der Arbeit in Kleingruppen sehen wir große Mehrwert. Die Schülerinnen arbeiten in Zweierteams und unterstützen sich dabei ganz selbstverständlich gegenseitig. Dieser Peer‑Learning fördert fachliches Verständnis, Selbstvertrauen, Kommunikationsfähigkeit und Problemlösungskompetenz. Besonders positiv ist dabei, wie schnell sich die Teilnehmerinnen auch in neuen digitalen Tools zurechtfinden, wenn sie gemeinsam arbeiten dürfen. Zudem Trainieren sie auch reale Arbeitssituationen in denen Menschen meist nicht allein arbeiten und Abstimmung im Team zentral ist. Weitergehend fördert die Teamarbeit eine wertschätzende Lernumgebung, welche wir zusätzlich durch unsere durchgängige „Du“-Kultur und die klare Haltung dazu, dass es keine falschen Fragen oder Ideen gibt, unterstützen. Besonders bei einem eintägigen Workshop ist es ist wichtig zügig Scham, Scheu und Leistungsdruck abzubauen und das Fragen stellen, Mitdenken und Ausprobieren sowohl im Austausch unter den Schülerinnen als auch gegenüber uns als Trainer:innen explizit zu ermutigten. Gerade weil sich viele Girls’ Day Teilnehmerinnen untereinander nicht kennen, ist das bewusste Steuern einer vertrauensvollen Atmosphäre ein entscheidender Faktor für Beteiligung und Lernfreude.
Auch Bewegung spielt eine wichtige Rolle für erfolgreiches Lernen. Da sowohl schulisches Lernen als auch unser digitaler Beruf stark vom Sitzen geprägt sind, setzen wir bewusst auf regelmäßige Aktivierungsphasen. Spielerische Bewegungseinheiten, kurze Auflockerungsübungen oder raumaktive Spiele helfen, neue Energie zu mobilisieren, Ermüdung zu vermeiden und die Gruppendynamik zu stärken. Besonders wirkungsvoll ist es, diese Elemente früh am Tag einzubauen, um Hemmungen abzubauen und eine offene, entspannte Atmosphäre zu schaffen. Hierbei hat sich bisher z.B. „Cheering Rock-Paper-Scissors“ als besonders beliebt hervorgetan. Hier werden alle Teilnehmerinnen zunächst in Zweierteams parallel Stein‑Schere‑Papier spielen. Die Verliererinnen scheiden allerdings nicht aus, sondern werden zu anfeuernden Unterstützerinnen. Die Gewinnerinnen spielen weiter gegeneinander, sammeln mit jedem Sieg mehr „Cheering‑Follower“, bis jemand als Siegerin hervorgeht.
Ein weiteres wichtiges Learning ist der bewusste Umgang mit Fragen rund um unseren eigenen Arbeitsalltag. Statt diese Themen fest in das Programm einzuplanen, hat es sich bewährt, ihnen dort Raum zu geben, wo sie organisch entstehen, wie z.B. in Pausen, im gemeinsamen Arbeiten oder dann, wenn die Schülerinnen gezielt danach fragen. Das gemeinsame Mittagessen stärkt zusätzlich den Zusammenhalt und bietet eine angenehme Gelegenheit, sich besser kennenzulernen. Gleichzeitig eröffnet es Raum für Gespräche über verschiedene Aspekte des Berufsalltags, was insbesondere für die Schülerinnen einen wertvollen Einblick darin ermöglicht, wer hinter den jeweiligen Berufsbildern steht und wie diese im Alltag erlebt werden. Dieser Ansatz schafft Offenheit und Authentizität: Die Mädchen erhalten tiefgreifende Einblicke, ohne dass das Lernformat in eine Fragerunde mit vorgefertigten Antworten kippt.
Meistens sind die Schülerinnen an konkreten Aspekten interessiert, die für die Lebensplanung relevant sind: Wie sieht ein typischer Arbeitstag eigentlich aus? Was bedeutet mobiles Arbeiten, eine Open‑Desk‑Policy oder Homeoffice in der Praxis? Gehören Reisen zum Job dazu und wenn ja, wie oft? Auch Fragen zu Gehalt, Entwicklungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen werden offen angesprochen. Gerade im Kontext der Beratung ist es zudem wichtig zu erklären, wie vielfältig Projekte sein können, in welchen Branchen wir arbeiten und welche Rolle Daten, KI und Kommunikation dabei spielen.
Diese Gespräche helfen den Schülerinnen, ein realistischeres Bild von modernen Arbeitswelten zu entwickeln. Sie lernen, dass berufliche Wege heute flexibel, individuell und gestaltbar sind, und dass Nachfragen ausdrücklich erwünscht ist.
Der stärkste und nachhaltigste Effekt zeigt sich immer wieder im direkten Austausch mit unseren Gastrednerinnen aus der Tech‑Branche. Es ist uns ein besonderes Anliegen, weibliche Führungskräfte und Expertinnen sichtbare Rollen einzunehmen zu lassen und von ihrem persönlichen Werdegang zu erzählen. Die Schülerinnen hören dabei selbstverständlich, womit diese Frauen heute in ihren Berufen arbeiten, aber auch, wie ihr Weg dorthin aussah, welche Entscheidungen sie getroffen haben, was sie gelernt oder studiert haben, welche Fähigkeiten wichtig sind und wie sie Themen wie Familie, Beruf und persönliche Interessen miteinander vereinen, welche Hobbys und Leistungskurse ihnen heute helfen usw. Dabei legen wir Wert darauf auch nicht-lineare Lebensläufe abzubilden, indem wir beispielsweise explizit Quereinsteigerinnen in die Branche zu Wort kommen lassen und damit deutlich machen, dass auch der Weg in die IT nicht geradlinig sein muss. Durch diese persönlichen Geschichten wird ein technischer Karriereweg greifbar und vorstellbar. Denn leider ist es immer noch so, dass es in den Medien nicht genug solcher Vorbilder gibt, um Selbstvertrauen zu stärken und neue Zukunftsbilder zu öffnen.
[at]@school findet bereits seit vier Jahren regelmäßig an unserem Münchner Hauptsitz statt, in enger Zusammenarbeit mit einer Münchner Partnerschule. Mehrere Generationen von Schülerinnen der Klassenstufen 7–11 konnten wir bereits für die Welt der Daten und KI begeistern. Über diese Initiative wurde sogar bereits im bayerischen Lokalfernsehen berichtet. Im letzten Jahr haben wir dieses Angebot nach Berlin ausgeweitet und angefangen, im Rahmen des Girls’ Day 10 Schülerinnen im Alter ab 14 Jahren die Welt der Daten und KI näherzubringen. Im Jahr 2026 haben wir dann das erste Mal zeitgleich in Berlin und Frankfurt am Main am Girls’ Day teilgenommen.
Für die Zukunft planen wir, konkrete Partnerschaften mit Berliner und Frankfurter Schulen aufzubauen um auch unabhängig vom deutschlandweiten Girls’ Day solche Workshops abzuhalten.
Die Begeisterung der Schülerinnen hat gezeigt: Komplexe Themen wie Datenverarbeitung und KI lassen sich wunderbar spielerisch und anschaulich vermitteln. Unsere Workshops und der Girls‘ Day bringen den Mädchen den abstrakten und wenig bekannten Beruf des Data Scientists erstmals nahe, und das mit großem Erfolg. Aus unserer Erfahrung haben wir gelernt: Frühzeitige Information und gezielte Förderung sind essenziell, um mehr Frauen langfristig für technische Berufe zu gewinnen und sie Ihnen frühzeitig vorzustellen. Wir sind überzeugt: Wer heute in die nächste Generation investiert, investiert in eine gerechtere und zukunftsfähigere digitale Welt. Vielfalt in der IT ist kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung für Innovation, Qualität und gesellschaftlichen Fortschritt. Umso mehr freuen wir uns darauf, gemeinsam mit Schulen, Partner:innen und engagierten Vorbildern auch junge Menschen, insbesondere Frauen, für Daten, KI und Technologie zu begeistern.
Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen die nächsten Generationen für Daten und KI zu begeistern!
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