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CIO, CTO und der Chief Data Officer – Welche Rollen sind entscheidend?

von | 3. Mai 2018 | Grundlagen

„Digitalisierung ist Chefsache“ – Darum ist es nur folgerichtig, dass die Digitalisierung fest im Bereich der Geschäftsführung verankert ist. Heute ist allen Unternehmen klar, dass sie auf die ein oder andere Weise von der Digitalisierung betroffen sind und damit umgehen müssen. Wie jedoch der damit verbundene Wandel ganz praktisch organisiert wird, hängt sehr stark vom jeweiligen Unternehmen ab. Darum stellen sich Unternehmen vermehrt die Frage, mit welchen Funktionen die Digitalisierung am besten auf dem Executive Level vertreten sein sollte. Welche Rolle spielen CIO, CTO oder der Chief Data Officer? Um für mehr Klarheit zu sorgen, haben wir uns näher mit diesen Rollen und Funktionen beschäftigt.

Linktipp: In unserem Blogbeitrag zu Data Governance beschäftigen wir uns allgemein mit der Frage nach dem Daten Management in Unternehmen.

Der CIO – Chief Information Officer

Der Chief Information Officer oder CIO beschäftigt sich zentral mit allen relevanten Informationstechnologien und der Optimierung aller damit zusammenhängender Prozesse. Allerdings hat sich die Funktion der IT in Unternehmen in den letzten Jahren vollständig verändert. Längst ist die IT-Infrastruktur nicht mehr nur ein kleiner Bereich, der im Hintergrund läuft. Vielmehr ist die IT zu einem essenziellen Bestandteil der Arbeit in allen Bereichen und einem Treiber der Digitalisierung geworden.

Zunehmend ist es sogar so, dass die Entwicklung von IT-Strukturen gleichbedeutend mit der Entwicklung neuer Geschäftsbereiche ist. Auch die Fähigkeit, Innovation und neue Produkte zu entwickeln, hängt stark vom Ausbau- und Nutzungsgrad der Informationstechnologien ab. Laut einer aktuellen Studie ist der CIO in 42 Prozent der Fälle für die Erstellung der Digitalisierungsstrategie verantwortlich, deren Umsetzung er zu 66 Prozent verantwortet. Darüber hinaus gilt Cybersecurity als weiteres wichtiges Thema des CIOs. Da die IT auch zu einem zentralen Kostenfaktor geworden ist, spielen Finanzthemen bzw. Unternehmensfinanzierung eine wichtige Rolle – Grund genug, um einen CIO auf Geschäftsführungsebene zu haben.

Der CTO – Chief Technology Officer

Die Aufgaben und Kompetenzen von CIO und CTO überschneiden sich teilweise. Eindeutig voneinander abgrenzen lassen sich die beiden Funktionen nicht. Mehr noch als beim CIO stehen beim Chief Technology Officer technologische Aspekte im Zentrum – sowohl was die Infrastruktur im Unternehmen betrifft, als auch das Know-how und die Kenntnisse der Mitarbeiter. Allerdings betrachtet und bewertet der CTO neuste technologische Trends immer auch in Hinblick auf ihre strategische Bedeutung für das eigene Unternehmen.

Eine der wichtigsten Fähigkeiten des CTOs ist es darum unkonventionell zu denken beziehungsweise über den eigenen Tellerrand zu blicken. Insbesondere kommunikative Fähigkeiten sind ein weiteres wichtiges Kennzeichen des CTO. Er hat mit Mitarbeitern aus vielen Abteilungen zu tun, bringt diese zusammen und löst Veränderungen aus. Ebenso wie CIOs können CTOs jedoch auch für das Management der technischen Infrastruktur, Cybersecurity und Innovation zuständig sein.

Der CDO – Chief Digital Officer

Über den Chief Digital Officer wird angesichts des großen Themas der digitalen Transformation sehr viel häufiger als andere geschrieben. Studien zeigen aber, dass diese Funktion in deutschen Unternehmen erst langsam Fuß fasst und seine Verteilung sehr unregelmäßig ist. Insbesondere in großen Konzernen wie in DAX-Unternehmen ist er mit 40% am häufigsten vertreten.

In der bereits weiter oben erwähnten Studie, die sich mit der Frage nach der Erstellung und Verantwortung der Digitalisierungsstrategie beschäftigt, wird dem CDO diesbezüglich ebenfalls eine untergeordnete Rolle bescheinigt. Nur in 4 Prozent der Fälle ist er für die Erstellung und in 28 Prozent für die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie verantwortlich. Zudem überschneiden sich die Aufgabenbereiche des CDO mit denen anderer auf der Geschäftsführungsebene und lassen sich nicht immer eindeutig abgrenzen. Die strategischen Aufgaben des CDO sind jedoch stets auf die Digitalisierung des Unternehmens ausgerichtet.

Der CDO prüft, entwickelt und realisiert mit der Digitalisierung zusammenhängende neue Geschäftsmodelle. Gleichzeitig überprüft er die bestehenden Geschäftsmodelle und passt diese gegebenenfalls an neue Rahmenbedingungen an. Um diese Aufgabe zu erfüllen, benötigt der CDO eine Reihe von Kernkompetenzen.

Ein CDO muss alle neusten technologischen Trends kennen und zum Teil antizipieren. Er muss wissen, welche Relevanz beispielsweise KI, Chatbots, RFID, NFC oder die Blockchain für das eigene Geschäftsmodell haben. Innovations- und Change-Prozesse bestimmten den Arbeitsalltag des CDO.

Der CDO – Chief Data Officer

Der Chief Data Officer ist eine vergleichsweise junge Erscheinung. 2006 wurde erstmals eine solche Position bei einem Finanzunternehmen im C-Level-Bereich geschaffen. Das wachsende Bewusstsein für die zentrale Bedeutung von Daten für Unternehmen erklärt das inzwischen sehr rege Interesse für den CDO.

Gartner geht sogar davon aus, dass bis 2019 90% aller großen Unternehmen einen Chief Data Officer haben werden. Gemäß einer Schätzung gab es im Jahr 2016 weltweit gerade einmal 1.000. Ein CDO verantwortet alle Prozesse rund um Datengewinnung und Datenverarbeitung. Damit nimmt er eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung ein.

Im Moment ist der für Daten verantwortliche CDO vor allem im anglo-amerikanischen Raum verbreitet. Die identische Abkürzung für Chief Digital Officer und Chief Data Officer gleichermaßen als CDO stiftet manchmal Verwirrung. In seltenen Fällen findet man auch die Bezeichnung Chief Analytics Officer.

Klar ist in jedem Fall, dass Daten heute in allen Unternehmensbereichen eine zentrale Rolle spielen und damit auch die Bedeutung des Chief Data Officers immer wichtiger werden wird. Eine regelmäßige Umfrage unter den Fortune-1000-Unternehmen ergab, dass 2012 nur 12 % einen CDO hatten. 2018 hatten schon 63 % einen Chief Data Officer. Dessen zentrale Aufgaben sind:

  • Geschäftsführungsebene hinsichtlich aller mit Daten verknüpften Prozesse zu beraten
  • Eine umfassende Daten- bzw. Informationsstrategie sowie eine Datenmanagementstrategie zu entwickeln und im Unternehmen zu etablieren
  • Data-Science- und Advanced-Analytics-Projekte anzustoßen und zu fördern
  • Überall, wo es möglich ist, Daten in die Wertschöpfungskette einzubinden
  • Sicherstellung einer hohen Datenqualität im gesamten Unternehmen

In manchen Unternehmen ist der Datenchef nur auf der Abteilungsleiterebene verortet. Dort hat er aber nicht die eigentlich notwendige Durchschlagskraft. Manchmal müssen bestehende Business-Modelle hinterfragt und völlig neu aufgestellt werden. Solche weitreichenden Folgen kann nur jemand durchsetzen, der auf Geschäftsführungsebene agiert.

CDO, CIO oder CTO – Welche Rollen müssen auf der Vorstandsebene verankert werden?

Laut Branchenverband Bitkom hatten 2016 gerade einmal 2% der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter in Deutschland einen Chief Digital Officer. Aufgrund der sich teilweise überschneidenden Aufgabenbereiche von CDO, CIO, CTO und Chief Data Officer kann es auch zu Konkurrenzdenken auf der Geschäftsführungsebene kommen.

Zudem herrscht bei vielen Unternehmen immer noch ein unklares Bild, welche konkrete Funktionen von den jeweiligen Positionen in der Geschäftsführung ausgeführt werden sollen. Das führt zu missverständlichen Stellenausschreibungen oder Besetzungen, die nicht zum erhofften Erfolg führen. Eine Lösung in dieser Situation ist, mehrere Funktionen auf eine Person zu vereinen: Chief Information Officer und Chief Data Officer zugleich.

Angesichts einer immer komplexer werdenden Situation – DSGVO, zunehmende Konkurrenz von großen Konzernen wie Facebook, Amazon und Google oder exponentielles Datenwachstum & Vernetzung – ist es absolut wichtig die Digitalisierung auf der Führungsebene zu verankern.

Transformationsprozesse erfolgreich zu gestalten und Daten als zentrales Asset zu bewerten und zu behandeln kann in Zukunft über den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen entscheiden. Darum wird es spannend sein zu beobachten, wie sich die Rollen von CDO, CIO, CTO und nicht zuletzt des Chief Data Officers in Zukunft entwickeln werden.

<a href="https://www.alexanderthamm.com/de/blog/author/michaela/" target="_self">Michaela Tiedemann</a>

Michaela Tiedemann

Michaela Tiedemann ist seit den jungen Startup Tagen der Alexander Thamm GmbH mit im Team. Sie hat die Entwicklung vom schnelllebigen, spontanen Startup hin zum erfolgreichen Unternehmen aktiv mitgestaltet. Mit der Gründung einer eigenen Familie begann für Michaela Tiedemann dann parallel dazu ein ganz neues Kapitel. Den Job an den Nagel zu hängen, kam für die frisch gebackene Mutter aber nicht in Frage. Stattdessen entwickelte sie eine Strategie, wie sie ihre Stelle als Chief Marketing Officer mit ihrer Rolle als Mutter in Einklang bringen kann.